Delegationsreise ins Mitteldeutsche Revier – neue Impulse für die biologische Transformation
Eine 20-köpfige Delegation aus dem Rheinischen Revier besuchte, organisiert durch Bioökonomie-VVU, das Mitteldeutsche Revier, um regionale Ansätze der Bioökonomie, des Wissens- und Technologietransfers sowie innovative Transformationspfade kennenzulernen. Die Reise wurde von den Strukturwandel-Initiativen BioZ – Biobasierte Innovationen aus Zeitz und Mitteldeutschland und DiP – Digitalisierung pflanzlicher Wertschöpfungsketten begleitet.
Trotz unterschiedlicher regionaler Strukturen – etwa einer starken Chemieindustrie, leistungsfähigen Agrarwirtschaft und vielen Forschungseinrichtungen bei gleichzeitig geringer Bevölkerungsdichte – stehen beide Reviere vor ähnlichen Herausforderungen der biologischen Transformation. Die Reise zeigte eindrücklich, wie sich gegenseitiges Lernen und Kooperationen entscheidend voranbringen können.
Tag 1: Forschung zum Anfassen – Besuch bei INNOVENT in Jena
Zum Auftakt ging es nach Jena zum Forschungsinstitut INNOVENT e. V., Mitglied der Zuse-Gemeinschaft und spezialisiert auf industrienahe, anwendungsorientierte Forschung. Die Delegation erhielt Einblicke in Arbeiten zu:
- Biomaterialien aus Mikroalgen und bakterieller Zellulose
- dem Verfahren des Green Electrospinnings
- Projektstrukturen, die besonders KMU den Zugang zu Forschung erleichtern
Die Praxisnähe und der niederschwellige Zugang zu Innovationen machten deutlich, wie wertvoll vergleichbare Strukturen auch für das Rheinische Revier wären.
Ergänzt wurde der Besuch durch Beiträge der LEG Thüringen, die Einblicke in Flächenentwicklung und strategische Innovationsförderung gab – einschließlich der Rolle der Bioökonomie in der regionalen Spezialisierungsstrategie.
Tag 2: Grüne Chemie, Skalierung und Großprojekte im Chemiepark Leuna
Der zweite Tag führte nach Leuna, einem der bedeutendsten Chemiestandorte Europas.
Fraunhofer CBP – Skalierung grüner Prozesse
Im Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biologische Prozesse (CBP) stand die Frage im Fokus, wie biotechnologische und chemische Verfahren aus dem Labor in industrielle Maßstäbe überführt werden können. Besonders beeindruckte die Delegation:
- die flexible, modular aufgebaute Bioraffinerie-Infrastruktur
- Einblicke in Prozesse, die heute bereits in großem Maßstab angewendet werden
- die enge Zusammenarbeit zwischen Fraunhofer CBP und industriellen Partnern
UPM-Bioraffinerie – ein Milliardenprojekt
Auf einer Bustour wurde die im Bau befindliche, weltweit neuartige Bioraffinerie von UPM Biochemicals vorgestellt. Ab 2027 sollen hier jährlich 220.000 Tonnen biobasierte Grundchemikalien aus Laubholz entstehen – für Textilien, Kunststoffe, Gummi, Kosmetik und mehr.
Das Projekt verdeutlichte die strukturellen Vorteile des Mitteldeutschen Reviers und warf die Frage auf, ob ähnliche Modelle zentraler oder dezentraler Bioraffinerien im Rheinischen Revier denkbar wären.
Infrastruktur und Zukunft des Standortes
Ein Vertreter von InfraLeuna ordnete die Bedeutung des 13 km² großen Chemieparks ein und erläuterte Pläne wie:
- die Entwicklung der Erweiterungsfläche Leuna III
- die zukünftige Ansiedlungsstrategie für Start-ups aus der Grünen Chemie
- den Aufbau eines BioEconomy Hub zur Unterstützung von Biotechnologie-Startups und KMU
Tag 3: Von der Praxis zur Produktentwicklung – Hochschule Anhalt in Bernburg
Auf der Rückreise machte die Delegation Halt an der Hochschule Anhalt in Bernburg. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Wertschöpfungsmöglichkeiten rund um die Erbse bestehen.
Bei einer Fahrt über die Versuchsfelder erhielt die Delegation Einblicke in:
- verschiedene Anbaumethoden und Sortenversuche
- Drohneneinsatz zur Erfassung von Wuchshöhen oder Schädlingsbefall
- erste Forschungsvorhaben zu Agri-Photovoltaik
Anschließend berichtete das Unternehmen Planteneers über gemeinsame Projekte im Bereich alternativer Proteine auf Erbsenbasis.
Impulse aus Landwirtschaft und Wirtschaftsförderung der Region rundeten den Besuch ab.
Austausch und Vernetzung: Gemeinsame Potenziale sichtbar gemacht
Beim Netzwerktreffen in der Mädlervilla Leipzig wurden Projekte aus BioZ und DiP vorgestellt und diskutiert. Schnell wurde deutlich:
- Beide Reviere arbeiten an ähnlichen Themen
- Es bestehen zahlreiche Anknüpfungspunkte für Kooperationen
- Austauschformate bieten großen Mehrwert – fachlich wie persönlich
Stimmen aus der Delegation betonten besonders die Vielfalt der Eindrücke, die Qualität des fachlichen Austauschs sowie den hohen Nutzen der Vernetzung.
Fazit: Neue Impulse für die Zukunft beider Reviere
Nach drei intensiven Tagen kehrte die Delegation mit vielen neuen Eindrücken, Kontakten und Ideen zurück ins Rheinische Revier. Die Reise zeigte deutlich:
- Bioökonomische Transformation gelingt nur durch gemeinsames Lernen
- Beide Regionen verfügen über starke Kompetenzen
- Zahlreiche Anknüpfungspunkte eröffnen Potenziale für weitere Zusammenarbeit
Die entstandenen Verbindungen und Erkenntnisse bilden eine wertvolle Grundlage für zukünftige gemeinsame Projekte.
